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Das Problem Durchfall beim Reizdarmsyndrom

Durchfallerkrankungen sind jedem bekannt, aber in Verbindung mit dem Reizdarmsyndrom können sie besonders unangenehm sein.

Eine normale Durchfallerkrankung, die durch Viren oder Bakterien ausgelöst wurde, dauert in der Regel maximal drei Tage. Mehrmals täglich kommt es zu einem plötzlichen Stuhldrang, wobei breiiger oder flüssiger Stuhl abgeht. Nach etwa 3 Tagen reguliert sich der Stuhl von alleine, wenn nicht noch zusätzlich die Einnahme von Medikamenten, die Genesung beschleunigt hat.

Bei Reizdarmpatienten ist das anders: Viele der Betroffenen schwanken stetig zwischen Durchfall und Verstopfung. Eine normale Tages- und Freizeitplanung ist oft nicht möglich, da immer wieder schmerzhafter Stuhldrang dazwischen kommen könnte. Allein die Angst, irgendwo plötzlich dringend zur Toilette zu müssen, nimmt den Erkrankten die Freude an der Freizeitplanung.

Wodurch wird der Durchfall beim Reizdarmsyndrom eigentlich ausgelöst?

Eine interessante Frage ist auch: Wie unterscheidet sich der Durchfall bei einem Reizdarmpatienten von einem Durchfall, der von Mikroben ausgelöst wurde?

Durchfälle bei Reizdarmpatienten können unterschiedliche Ursachen haben. Untersuchungen konnten zeigen, dass viele Patienten, die am Reizdarmsyndrom erkrankt sind, unter Stress leiden. Das vegetative Nervensystem im Gehirn ist auch mit dem Darm verbunden und kann Einfluss auf die Darmperistaltik haben. Patienten, die ruhig und entspannt sind, haben in dieser Phase kaum Schmerzen, Spannungsgefühle, Blähungen oder Krämpfe. Kommt dann ein "plötzliches" Ereignis, das Stress erzeugt, können auch diese Symptome "plötzlich" auftreten: unvermittelt auftretende Bauchkrämpfe, plötzlicher Stuhldrang und Durchfall können in direktem Zusammenhang mit einer Stressattacke stehen.

Bei anderen Arten von Reizdarmerkrankungen können die immer wiederkehrenden Durchfälle auch weitere "Ursachen" haben. Zahlreiche Patienten, die unter einem Reizdarmsyndrom leiden, zeigen ein Ungleichgewicht in ihrer Darmflora. Dies kann häufig nach Antibiotikatherapien (siehe Risiko Antibiotika bei Reizdarm) auftreten, durch die wichtige Darmbakterien (u. a. Bifidobakterien) abgetötet wurden. Dann kann es problematisch werden: Wurden nämlich die nützlichen (für die Verdauung wichtigen), Darmbakterien vernichtet, können sich "schädliche" Darmbakterien breit machen und die Verdauung beeinträchtigen. Blähungen, schmerzhafte Bauchkrämpfe und Durchfälle können als Folge auftreten. Der Versuch, neue "gute" Bakterien anzusiedeln (sogenannte Probiotika) ist zwar möglich, allerdings kann so eine Therapie langwierig werden.

Die Forschung ist schwierig

Das Reizdarmsyndrom ist eine komplexe, aber gutartige Erkrankung, die chronisch-rezidivierend verläuft. Etwa 10 bis 20 Prozent der Bundesbürger sind an dieser Krankheit erkrankt. Es können auch noch weitaus mehr Krankheitsfälle sein, da die Dunkelziffer in diesem Bereich recht hoch ist. Darmerkrankungen gelten auch in der heutigen Zeit noch als Tabuthema, daher gehen die meisten Betroffenen mit diesem Beschwerdebild nicht zu einem Arzt. Die Erforschung des Krankheitsbildes und die Therapiemöglichkeiten beim Reizdarmsyndrom stellen sich daher als schwierig dar. Einige der Erkrankungen sind auf ein Ungleichgewicht in der Darmflora zurückzuführen, andere Krankheitsfälle sind auf Überlastung und Stress zurückzuführen. Aufgrund der unterschiedlichen Ursachen der Erkrankungen variieren auch die Therapiemöglichkeiten.

Nicht selten kommt es auch zu einer Kombination der Krankheitsauslöser. Patienten, die eine Antibiotikatherapie durchgemacht haben, können zusätzlich auch unter Stress leiden. Stress und Reizdarm sind zwei Dinge, die nicht gut zusammen passen. Betroffene, die unter Stress leiden, ernähren sich häufig schlecht, trinken viel Kaffee und rauchen zusätzlich. All diese Verhaltensmuster können Auslöser für eine Magenübersäuerung sein. Die Verdauung an sich beginnt im Mund, mit der Zerkleinerung der Speisen durch das Kauen. Hektische Menschen, die unter Stress stehen, kauen nicht lange genug - das Essen wird oft einfach heruntergewürgt. Dann kommt der schlecht zerkleinerte Speisebrei in einen übersäuerten Magen, der seiner eigentlichen Aufgabe auch nicht richtig nachkommen kann. Die Verdauungsdefizite, die bisher aufgetreten sind, kann der Darm nicht wettmachen. Nahrung, die derart schlecht aufgespalten im Darm ankommt, kann als Vitamin und Nährstofflieferant nicht genutzt werden. Langfristig kommt es zu einer Mangelernährung, obwohl die Erkrankten eine ausreichende Nahrungsmenge zu sich nehmen.

Der Darm ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Immunsystems, wenn er erkrankt, dann wird der gesamte Organismus anfälliger gegen Keime, Viren und Bakterien. Das Reizdarmsyndrom ist zwar eine gutartig verlaufende Krankheit, trotzdem sind die Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Je weiter die Krankheit voranschreitet, so intensiver bestimmt sie den Tagesablauf der Erkrankten. Die Unsicherheit und Angst vor plötzlichen Durchfall- und Schmerzattacken kann so intensiv werden, dass Angst- und Panikattacken die Folge sind. Nicht selten muss ein Reizdarmsyndrom begleitend mit Antidepressiva behandelt werden.

Wie kann der Durchfall bei Reizdarm erfolgreich bekämpft werden?

Der Durchfall, der bei einem Reizdarmsyndrom auftritt, kann therapiert werden, wenn alle Ursachen bekannt sind. Loperamidhaltige Medikamente können im Notfall den Durchfall lindern, aber die Ursachen nicht beseitigen. Entspannungsübungen wie Yoga, Tai Chi oder andere Sportarten, können bei der Stressbewältigung helfen. Nahrungsmittelallergien sollten ausgeschlossen werden. Eine Ernährungsberatung ist häufig von Nutzen. Eine Wiederansiedelung der wichtigen und nützlichen Darmbakterien (z. B. Bifidobakterien) und Mikroorganismen kann hilfreich sein, macht aber nur Sinn, wenn die anderen, krankmachenden Lebensgewohnheiten geändert wurden. Diese komplexe Behandlung ist zeitaufwendig und verlangt eben auch eine gewisse Änderung der Verhaltensweise der Patienten.

Eine gesunde Ernährung, gesunde Essgewohnheiten und die Kunst Stress bewältigen zu können, bieten eine gute Grundlage zur Genesung. Die Therapie Probiotika (Darmbakterien) macht wenig Sinn, wenn sich die persönlichen Gewohnheiten und Lebensumstände der Erkrankten nicht ändern.